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Professionelle Produktionen DSLR's in TV- / Serien- und Filmproduktionen

Der Einsatz von DSLR’s kan heute in verschiedenen professionellen Produktionen beobachtet werden. Dieser Artikel zeigt einige Bespiele und die Beweggründe für den Einsatz auf.

TV-Produktion

Offiziell wird das Ausgangsmaterial von videofähigen DSLR’s von TV-Sendern nicht zur Ausstrahlung anerkannt. Die Sender haben verschiedene Richtlinien erstellt, welche die Eigenschaften des Materials definieren. In den Richtlinien von ARD / ZDF finden sich z. B. die folgenden Angaben für internes und Zuliefermaterial:

    • Dateiformat: MXF (inkl. Timecode)
    • Kompressionsformate: MPEG-2 (50 MBit/s), AVC-I 100 (112 MBit/s), ProRes (ca. 184 MBit/s), etc.
    • Abtastformate: 4:2:2 – 1080i/25, 1080p/25 (bei szenischen Produktionen)

In den Richtlinien der ProSiebenSat.1 Gruppe zeigt sich ein ähnliches Bild:

    • Dateiformat: MXF (inkl. Timecode)
    • Kompressionsformate: MPEG-2 (150 MBit/s), XDCAM (50 MBit/s)
    • Abtastformate: 4:2:2 – 1080i/50, 1080p/25

Diese Formate können zurzeit von DSLR’s noch nicht ausgegeben werden, aber trotzdem scheint die DSLR von den Sendern verwendet zu werden. Das Material wird dann vermutlich konform umgewandelt.

Wenn man aufmerksam das TV-Programm verfolgt, kann man den Einsatz von DSLR’s oft erkennen. In den meisten Fällen (aber nicht ausschließlich) wo eine extrem geringe Schärfentiefe vorhanden ist, wird eine DSLR verwendet. Die gewöhnlichen EB-Kameras können dies aufgrund der kleineren Sensoren nicht realisieren bzw. nur  durch die Verwendung einer großen Brennweite, welche den  Abstand zu einem Objekt allerdings stark erhöht und somit i. d. R. nicht praktikabel ist. Bestätigt wird die Vermutung dann häufig, wenn der Kameramann mit der DSLR von einer anderen Kamera erfasst wird. Die beiden nachfolgenden Screenshots zeigen jeweils ein Beispiel für Interviewsituationen im TV.

tv_wdrBildquelle: WDR

 

tv_pro7Bildquelle: Prosieben

Auch bei anderen Sendern kann der Einsatz der DSLR beobachtet werden. Die Sender scheinen also Ausnahmeregelungen für den gelegentlichen Einsatz von DSLR’s zu haben, welche noch nicht explizit in den Richtlinien festgehalten werden. Häufige  Einsatzbereiche der DSLR in TV-Produktionen sind Interviewsituationen als Zweitkamera (Nahaufnahmen) und zur Erstellung von verschiedenen Detailaufnahmen.

Serienproduktion

Spätestens seit der Verwendung der Canon 5D MKII für das sechste Staffelfinale der erfolgreichen amerikanischen Serie Dr. House, haben sich DSLR’s in verschiedenen Serienproduktionen etabliert. Die komplette Folge wurde mit der DSLR gedreht. Zuvor wurde die Serie auf 35mm Film aufgezeichnet. Laut Regisseur Greg Yaitanes war es für diese Folge notwendig in kleinen und engen Räumen zu filmen. Somit eignete sich hierfür die DSLR eher, als die bisherige Filmkamera. Da es zu dieser Zeit noch keine speziellen Filmobjektive für die DSLR gab, hat er Canon Festbrennweiten verwendet. Aufgrund des positiven Ergebnisses wurde die DSLR in zusätzlichen Folgen, für bestimmte Bereiche, weiterverwendet.
Auch in anderen Serien werden DSLR’s als Haupt- oder  Zweitkamera verwendet. Die Comedy-Serie Wilfred wurde, aufgrund der geringen Schärfentiefe, komplett mit einer Nikon D800 aufgezeichnet. In der Serie Navy CIS wurde eine Canon 7D für Motorradaufnahmen und Innenaufnahmen in Autos verwendet. Als Zweitkamera kam die 5D MKII weiterhin in den Serien Ghost Whisperer und Californication zum Einsatz. In TV-Serienproduktionen hat die DSLR, zumindest für bestimmte Bereiche, einen festen Standpunkt eingenommen.

Filmproduktion

Obwohl bei Filmproduktionen i. d. R. größere finanzielle Mittel vorhanden sind, kann auch hier der Einsatz von DSLR’s beobachtet werden. Der Film Act of Valor (amerikanischer Actionfilm mit Navy SEALs) wurde größtenteils mit DSLR’s (Canon EOS 5D MKII) gedreht. Grund hierfür ist wieder die geringe Größe der Kamera, da in dem Film viele POV-Aufnahmen zum Einsatz kamen und in vielen beengten Räumlichkeiten (original militärische Fahrzeuge / keine Kulisse) gedreht wurde. Es konnte weiterhin oftmals kein großes Equipment zu den Drehorten transportiert werden. Die hohe Empfindlichkeit der Kamera ermöglichte außerdem Einstellungen bei geringen Lichtverhältnissen, z. B. in einem realen U-Boot. Die Produktion des Filmes fand kurz nach dem Marktstart der EOS 5D MKII statt, sodass es noch verschiedene Probleme mit der Firmware gab. Der 24 p Modus war unter anderem zu dieser Zeit noch nicht integriert, sodass in der Postproduktion eine aufwendige Umwandlung durchgeführt werden musste. Weiterhin gab es nur wenige Support Systeme, weshalb viel improvisiert wurde. Auf Vimeo gibt es dazu eine Dokumentation, welche interessante Einblicke in die Dreharbeiten bietet.

Der Film Echte Wiener 2 wurde komplett mit der DSLR (Canon EOS 7D) produziert. Der Grund hierfür waren die geringen Kosten im Gegensatz zur Produktion auf Film. Da der zweite Teil des Films nicht durch einen Filmfond unterstützt wurde, war die Produktion mit der DSLR die einzige Möglichkeit, den Film überhaupt drehen zu können. Die Kameras wurden dabei auf das PL Bajonett umgebaut, da es zur Produktionszeit noch keine Filmobjektive für das EOS Bajonett gab. Dies bot eine bessere Abbildungsqualität und vorhandene Support Systeme konnten verwendet werden. Auf e-media gibt es hierzu ein Interview.

Weitere Filme in denen DSLR’s, allerdings nur für wenige Einstellungen, verwendet wurden sind unter anderem The Black Swan, Captain America und Iron Man 2. Bei den beiden letzteren wurde die Kamera für Actionsequenzen in und an Fahrzeugen und als sogenannte Crash Cam eingesetzt.

Crash Cams werden dazu verwendet, um Nahaufnahmen von Explosionen, Autounfällen oder Stunts zu erstellen. DSLR’s bieten dabei den Vorteil, dass sie klein sind und somit leicht in stoß-, wasser- und hitzebeständigen Gehäusen untergebracht werden können. Sollte das Gehäuse diese Aktion nicht überstehen, so halten sich die Kosten der defekten Kamera, zumindest bei größeren Produktionen, in Grenzen. Beispiele für solche Sequenzen, gefilmt mit einer EOS 5D MKII, können auf dem Blog von Kameramann Shane Hurlbut betrachtet werden. Auch im Bereich der Luftaufnahmen (Quadcopter / Drohne) werden DSLR’s häufig aufgrund geringer Größe, Gewicht und niedrigem Preis verwendet.

Crash Cams im Einsatz

Es zeigt sich also, dass das Ausgangsmaterial der DSLR’s nahezu problemlos mit Material von größeren Filmkameras gemischt werden kann, solange die Ausgangsauflösung nicht zu hoch ist. Eine dann benötigte Hochskalierung der Aufnahmen würde störende Artefakte hervorrufen. Durch technische Weiterentwicklungen wird diese Auflösung allerdings auch bei DSLR’s ansteigen und ein Mischeinsatz weiter vereinfacht. Zumindest der Durchschnittskonsument, welcher sich mit Kameratechnik nicht weiter auskennt, bemerkt den Einsatz einer DSLR in einer großen Filmproduktion i. d. R. nicht.

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Zusammenfassung:
Artikel:
DSLR's in prof. Produktionen (TV/Serien/Kino)
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Beschreibung:
Der Einsatz von Video DSLR's kann heute in verschiedenen professionellen Produktionen beobachtet werden.

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