news1

Heutige Marktsituation der Video DSLR in der audiovisuellen Produktion (TV / Serien / Kino)

Auch wenn die anfängliche Euphorie etwas nachgelassen hat, wird die DSLR im audiovisuellen Bereich noch vielseitig verwendet. Anwender schätzen weiterhin die geringe Schärfentiefe und den niedrigen Preis der Geräte. Befragt man Google Trends nach videofähigen DSLR’s, so ergibt sich ein stetiger Anstieg der Suchanfragen zwischen 2009 und 2011, welcher ab 2012 bis heute auf einem ähnlichen Niveau bleibt. Die Prognose (gestrichelte Linie) zeigt sogar noch einen leichten Anstieg der Suchanfragen und somit eine Stärkung der Marktsituation der Video DSLR. Die Kameras scheinen also weiterhin gefragt zu sein, auch wenn die Kamerahersteller bereits versuchen, Alternativprodukte am Markt zu etablieren.

Marktsituation DSLR
Google Trend Analyse zu „video DSLR“

Mitch Aunger ist Betreiber der Internetplattform planet5d.com, welche eine der größten Communities zum Thema videofähige DSLR’s darstellt. Er hat im Jahr 2013, zum fünf jährigen Jubiläum der EOS 5D MKII, verschiedene bekannte Personen in der Film- und Werbebranche zum Thema videofähige DSLR’s interviewt. Aus diesen Interviews hat er ein E-Book mit dem Titel The HDSLR Revolution is over … right? erstellt. Kernfragen der Interviews waren, in wie weit die DSLR für die audiovisuelle Produktion eingesetzt wird und ob sie sich zukünftig weiter am Markt behaupten kann. Laut Augner werden ca. 50% aller amerikanischen TV-Werbespots mit einer DSLR gedreht und ein Großteil des Kamerazubehörs an DSLR-Besitzer verkauft. Die geführten Interviews zeigen außerdem auf, dass viele Filmschaffende durch die Weiterentwicklung von Camcordern mit größeren Sensoren und Wechselobjektiven, die DSLR teilweise ersetzt haben. Camcorder wie z. B. die C-Serie von Canon vereinen große Sensoren und Wechselobjektive mit den Eigenschaften von herkömmlichen Videokameras und sind somit vielseitiger einsetzbar. Preislich liegen diese Geräte allerdings größtenteils über den DSLR’s. Nach und nach erscheinen aber auch Geräte, die vom Preis her in ähnlichen Regionen wie die DSLR angeboten werden. Es gibt einige Camcorder-Modelle (zwischen 3000 € und 5000 €), bei denen die Sensorgrößen Four Thirds, APS-C oder Vollformat verbaut sind und somit eine Konkurrenz, zumindest für die höherpreisigen DSLR’s, darstellen. Aber auch diese Geräte besitzen verschiedene Einschränkungen und Nachteile gegenüber der DSLR, weshalb sie sich noch nicht großflächig durchsetzen konnten. Dies liegt sicherlich auch am etwas höheren Preis, da diese Kameras, zumindest von der Bildqualität, keine großartigen Verbesserungen bieten. Des Weiteren kann man behaupten, dass diese Geräte vermutlich nur aufgrund der videofähigen DSLR’s existieren. Denn nur durch den großen Absatz der DSLR’s haben die Kamerahersteller die Bedürfnisse nach großen Sensoren und Wechselobjektiven, unter dem Preisniveau von Filmkameras, erkannt.

Es existieren noch weitere Konkurrenzprodukte im Preissegment der DSLR’s, welche speziell auf den Filmbereich ausgelegt sind. Hersteller wie Black Magic Design oder Kinefinity bieten Filmkameras mit bis zu 4K Auflösung und einem Dynamikumfang von 12 – 13 Blendenstufen an. Die Aufnahmen können komprimiert oder als unkomprimiertes RAW aufgezeichnet werden. Da die Firmen erst seit kurzem am Markt vertreten sind, haben die Kameras teilweise noch mit Anfangsproblemen zu kämpfen. Gerade im Bereich der Ergonomie und der Software sind noch Verbesserungen möglich. Dennoch können diese Kameras bereits jetzt eine Konkurrenz für die DSLR darstellen und je nach Weiterentwicklungen diese vielleicht bei szenischen Produktionen ganz ablösen.

Eine aufkommende Frage ist, warum die DSLR-Hersteller Funktionen, welche technisch bereits heute umzusetzen wären, nicht in ihre Kameras integrieren. Gerade Magic Lantern zeigt deutlich die softwareseitigen Möglichkeiten in Canon DSLR’s. Sogar RAW-Aufnahmen sind mit den höherpreisigen Modellen möglich. Hier kann an dieser Stelle nur die Vermutung aufgestellt werden, dass die Hersteller ihre höherpreisigen Produkte schützen wollen. Sie können dadurch verschiedene Modelle zu unterschiedlichen Preisen anbieten, obwohl sich z. B. nur Softwarefunktionen unterscheiden und sie von der Hardware her identisch sind. Weiterhin stellen DSLR’s, mit zu vielen integrierten Funktionen, direkte Konkurrenz zu Camcordern dar, welche unter anderem Canon, Panasonic und Sony ebenfalls in ihrem Sortiment haben. Viele Interviewpartner von Aunger stellen diese Vermutungen ebenfalls auf.

Wenn die Hersteller in nächster Zeit keine Veränderungen in ihrer Marktstrategie durchführen, besteht die Gefahr, dass zumindest die Videobranche Abstand von der DSLR nimmt. Die Hersteller bringen nach und nach Camcorder-Modelle mit großen Sensoren und Wechselobjektiven auf den Markt, welche in der Videoproduktion effizienter verwendet werden können, allerdings zurzeit preislich noch nicht so interessant wie DSLR’s sind. Auch innovative Firmen wie Black Magic Design könnten den großen Firmen, gerade im Filmbereich, den Rang ablaufen. Sony und Panasonic scheinen dies als Erste erkannt zu haben und stellten Anfang 2014 deshalb verschiedene Weiterentwicklungen ihrer DSLR’s vor. Der (noch) anhaltende DSLR-Marktführer Canon hingegen, hat schon seit Jahren keine nennenswerten Neuerungen (außer bei der teuren EOS 1D C) bei der Videofunktion hervorgebracht. Es bleibt also weiterhin spannend wie sich der Markt in den nächsten Jahren entwickeln wird.

Share on Facebook0Share on Google+2Tweet about this on Twitter0Share on LinkedIn0Print this page
Zusammenfassung:
Artikel:
Heutige Marktsituation von Video DSLR's
Author:
Beschreibung:
Wenn Hersteller in nächster Zeit keine Veränderungen ihrer Marktstrategie durchführen, besteht die Gefahr, dass die Videobranche Abstand von der DSLR nimmt.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*