Artikelbild_Geschichte

Geschichte Geschichte / Entwicklung videofähiger DSLR's

Digitale Spiegelreflexkameras, mit Foto- und Videofunktion, sind in erster Linie für das Fotografieren entwickelt worden. Heutzutage werden sie jedoch auch vermehrt von Filmschaffenden in der audiovisuellen Produktion eingesetzt.

In der Vergangenheit (vor 09/2008) war es für Filmschaffende mit geringen finanziellen Mitteln nahezu unmöglich, den gewünschten Film Look mithilfe von Videokameras nachzustellen. Eine geringe Schärfentiefe, u. a. bedingt durch große Sensoren und die segmentierte Tonwertwiedergabe war den hochpreisigen Filmkameras vorenthalten. Die Aufnahmen der Videokameras wirkten kontrastarm und zu scharf. Hinzukommend mussten verschiedene Kompromisse eingegangen werden. Es standen keine Wechselobjektive zur Verfügung, sondern viel mehr wurde ein Zoom-Objektiv verbaut, welches konstruktionsbedingt den Festbrennweiten unterlegen ist. Eine geringere Schärfentiefe konnte nur (sofern für das jeweilige Modell verfügbar) aufwendig mit speziellen 35mm-Adaptern realisiert werden. Die Videokamera eignete sich somit vornehmlich für die Aufzeichnung von Reportagen, Sport-Events und privaten Aufnahmen, aber nicht für die Erstellung cineastisch wirkender Filme.

Seit Anfang dieses Jahrtausends wurden bereits Videofunktionen in digitale Fotokameras integriert. Die Bildauflösungen waren dabei mit maximal 640 x 480 (VGA) niedrig. Die Bildraten schwankten zwischen 15 und 30 Bildern pro Sekunde (je nach Auflösung) und die Einstellungsparameter (ISO, Blende, Belichtungszeit) wurden in der Regel automatisch von der Kamera übernommen, sodass eine ausreichende Bildkontrolle nicht gegeben war. Aufgrund dieser Umstände konnten sich die Kameras nicht in der audiovisuellen Produktion durchsetzen. Spiegelreflexkameras, welche ebenfalls in diesem Zeitraum erschienen, verfügten zunächst über keine Videofunktion. Der Hauptgrund dafür war die noch fehlende Live-View Funktion. Bei Spiegelreflexkameras wird der Spiegel für die Fotoaufnahme nur für den Zeitpunkt der Belichtung hochgeklappt. Da bei einer Videoaufnahme der Spiegel dauerhaft hochgeklappt sein muss, kann der Kamerasucher nicht verwendet werden und somit könnte der Filmschaffende das Bild nicht in Echtzeit überprüfen. Erst als die Live-View Funktion, zur Kontrolle des auf dem Kameradisplay, weiterentwickelt und in die DSLR’s integriert wurde, waren die technischen Voraussetzungen für eine Videofunktion gegeben.

Im dritten Quartal 2008 wurde durch die Firma Nikon die erste HD-videofähige DSLR, die Nikon D90, vorgestellt. Die Kamera konnte Videos mit 24 Vollbildern pro Sekunde in einer Auflösung von 1280 x 720 (720p1 – HD-Ready) aufnehmen. Der verbaute Sensor hatte eine Größe von 23,7mm x 15,6mm (DX-Format) und war somit kleiner als bereits verfügbare Vollformatsensoren (24mm x 36 mm, Kleinbild). Im Bereich der audiovisuellen Produktion konnte sich die D90 allerdings nicht durchsetzen. Filmschaffende verlangten zu dieser Zeit eine Kamera mit Vollformatsensorund einer Auflösung von 1920 x 1080 (1080p – Full-HD). Weitere Einschränkungen der D90 waren eine Begrenzung der Aufnahmezeit auf fünf Minuten (pro Sequenz) und die manuellen Einstellungsmöglichkeiten (ISO, Blende, Belichtungszeit) waren limitiert, wodurch der Praxiseinsatz zusätzlich erschwert wurde. Wenige Zeit später (09/2008) kündigte Canon die EOS 5D Mark II an, welche einen Vollformatsensor besaß, 1080p Aufnahmen ermöglichte und eine Aufnahmedauer von 29:59 Minuten (oder max. 4GB Dateigröße) zuließ. Vincent Laforet, ein amerikanischer Fotograf und Filmschaffender, erhielt noch vor Veröffentlichung ein Testgerät der 5D MKII und erstellte damit einen Kurzfilm mit dem Namen Reverie. Sein Kommentar, nachdem er sich die Aufnahmen zum ersten Mal angesehen hatte:

„’I was literally stunned a number of times,’ he mused. ’I could not believe my eyes. It’s one of the best still cameras out in the world. But between the size of the sensor and the lens choice and the way it captures light it’s absolutely stunning.’“ [1]

Nach der Veröffentlichung im Internet wurde der Film innerhalb einer Woche mehr als eine Million Mal abgerufen und die Reaktionen waren überwältigend. Der Verkaufsstart der 5D MKII löste eine euphorische Begeisterung in der Branche aus. Nie zuvor war es möglich mit einer Kamera in diesem Preissegment (damals ca. 2249 €) den Film Look so annähernd zu kreieren. Auch die 5D MKII wies anfangs Einschränkungen in den manuellen Belichtungseinstellungen und der Audiokontrolle auf, welche allerdings mit neuen Firmware-Versionen größtenteils behoben wurden. Als Grund für die Integration der Videofunktion, gab Canon die Möglichkeit zur Nutzung von nur einer Kamera im Reportage-Bereich an, welche sowohl Fotos als auch Videos aufnehmen konnte. Dieser Bedarf wurde durch eine Umfrage mit verschiedenen Reportern ermittelt. Laut eigener Aussage, hätte Canon nie mit einer derartigen positiven Resonanz der Filmbranche gerechnet.

Die Kamerahersteller hatten das Potenzial der DSLR als Filmkamera erkannt und integrierten die Videofunktion in nahezu jede der folgende Spiegelreflexkameramodelle. Da die Ergonomie der Kameras auf das Fotografieren ausgelegt ist und das Filmen dadurch erschwert wird, bildete sich auch schnell ein Industriezweig, welcher sich speziell auf die Herstellung von Support Systemen für Video-DSLR’s konzentrierte. Heutzutage ist die DSLR in der audiovisuellen Produktion kaum noch wegzudenken. Selbst in professionellen TV- und Kinoproduktionen hat sie einen festen Platz eingenommen.

Share on Facebook0Share on Google+0Tweet about this on Twitter0Share on LinkedIn0Print this page
Zusammenfassung:
Artikel:
Geschichte / Entwicklung videofähiger DSLR's
Author:
Beschreibung:
DSLR's sind in erster Linie für das Fotografieren entwickelt worden. Heute werden sie jedoch auch vermehrt in der audiovisuellen Produktion eingesetzt.

Einzelnachweise:

  1. Quelle: DSLR Cinema : Crafting the Film Look with Video (Kurt Lancaster), ISBN 978-0-240-81551-0. []

Video DSLR: Blog | Info | News | Basics | Tutorials