praxiseinsatz

Grundlegende Einstellungsparameter Blende / Belichtung / Empfindlichkeit / Schärfe / Kontrast / Sättigung

Bei der Verwendung der DSLR für die audiovisuelle Produktion müssen, aufgrund der vielen Möglichkeiten, verschiedene Einstellungsparameter beachtet werden. Die vorgegeben Standardeinstellungen eignen sich oft nicht für den professionellen Einsatz und sollten somit angepasst werden. In diesem Beitrag gibt es einige Informationen zu den DSLR Video Einstellungen zum Filmen.

Kameramodus

DSLR’s verfügen über verschiedene Modi zur Belichtungssteuerung. Diese Modi reichen von Vollautomatik bis zu komplett manuellen Belichtungseinstellungen. Welche Modi bei der Videofunktion zur Verfügung stehen, hängt vom jeweiligen Kameramodell, dem Hersteller oder der Softwareversion ab. Eine automatische Belichtungskorrektur arbeitet, sofern sie vorhanden ist, i. d. R. langsam und ungenau. Eine manuelle Anpassung eignet sich demnach bei DSLR’s bzw. allgemein besser zur Belichtungskorrektur. Je nach Benutzer und dessen Intention kann dies positive oder negative Auswirkungen haben. Während der Profi die manuellen Parameter zu Bildgestaltung benötigt, kann der Anfänger schnell überfordert sein. Eine automatische Regelung der Belichtungsvarianten hat gravierende Auswirkungen auf die Videoaufnahme. Bei einer automatischen Blendenanpassung ist es schwierig den Fokus zu finden und zu halten. Sobald der ISO-Wert automatisch angepasst wird, kann es passieren, dass ungewolltes Bildrauschen bei höheren ISO-Werten entsteht. Bei Veränderung der Belichtungszeit kann es außerdem zu einem unnatürlichen Verhältnis der Bewegungsunschärfe kommen. Wenn diese Änderungen während der Aufnahme durch die Kamera durchgeführt werden, entstehen somit auffallende und störende Helligkeitswechsel und ggf. Qualitätseinbußen.

Blende und Empfindlichkeit

Durch den großen Sensor und verfügbare niedrige Blendenwerte, kann eine extrem geringe Schärfentiefe erreicht werden. Auch wenn diese geringe Schärfentiefe bei der Bildgestaltung interessante Ergebnisse liefern kann, so ist es in der Praxis unter Umständen schwierig, damit korrekt zu fokussieren. Bei einer Kamera mit Vollformatsensor, einer verwendeten Brennweite von 85mm und einer Blende von 1,4 beträgt der Schärfentiefebereich z. B. nur 1 cm, wenn das aufzunehmende Objekt 100 cm entfernt ist. Wenn sich das Objekt dann auch noch bewegt und die Schärfe nachgezogen werden soll, ist es fast unmöglich den gewünschten Bereich scharf abzubilden. Bei der Verwendung von niedrigen Blendenwerten ist also mit einem gewissen Ausschuss zu rechnen und das aufgenommene Material muss genau überprüft werden. Da dies auf dem kleinen Kameradisplay aber kaum möglich ist, bietet es sich an, einen externen Monitor / Sucher zu verwenden. Eine extrem geringe Schärfentiefe sollte also nur bewusst verwendet werden und nur in Bereichen an denen sie förderlich für die Aufnahme ist. So interessant der Effekt auch ist, eine Übertreibung bei der Verwendung sollte vermieden werden, da große Unschärfebereiche in vielen Sequenzen anstrengend bei der Betrachtung sein können.

DSLR’s bieten mitunter große ISO-Werte an und dadurch auch eine effektiv erhöhte Empfindlichkeit. Bei allzu hohen Werten sollte man allerdings skeptisch werden, da diese oft nur zu Werbezwecken definiert werden und in Wirklichkeit ein starkes Rauschverhalten aufweisen. In der Literatur und diversen Internetforen / -blogs finden sich häufig Hinweise auf alternative ISO-Werte (native ISO), welche ein geringeres Bildrauschen ermöglichen sollen. Gerade in Bezug auf Canon DSLR’s existiert diese Annahme. Es wird behauptet, dass ISO-Werte, welche ein Vielfaches von ISO 160 sind, ein geringeres Rauschen ermöglichen als die Werte, welche ein Vielfaches von ISO 100 sind. Genauer geht es hier also um die Werte 160, 320, 640, 1280, 2560 usw. und 100, 200, 400, 800, 1600 usw. Betrachtet man Testaufnahmen mit diesen Werten, so fällt tatsächlich auf, dass die Werte mit 160 und deren Vielfachen weniger Bildrauschen produzieren. Der Grund dafür ist, dass es sich z. B. bei ISO 160 um einen mit 1/3 Blende unterbelichteten ISO 200 Wert handelt und somit weniger verrauscht wirkt. Tatsache ist aber, dass der Dynamikumfang dadurch reduziert wird. Je nach Situation sollte man also abwägen, welche Funktion für die Produktion wichtiger ist. Weitere interessante Infos dazu befinden sich im Blog von Josh Silfen.

Belichtungszeit und die 180° Regel

Um Bewegungen in einer Videosequenz realistisch und natürlich darstellen zu können, wird eine gewisse Bewegungsunschärfe benötigt. Diese lässt sich anhand der Belichtungszeit an der Kamera kontrollieren. Die nachfolgende Abbildung zeigt die Auswirkungen von verschiedenen Belichtungszeiten auf die Bewegungsunschärfe. Die Aufnahmen wurden mit einer Bildfrequenz von 25 B/s durchgeführt.

shutter

Auswirkungen der Belichtungszeit bei einem Wasserstrahl

Zwischen den Belichtungszeiten 1/33 s und 1/50 s (korrekte Belichtungszeit) fällt kaum ein Unterschied auf. Bei 1/200 s (in diesem Versuch noch nicht ganz so stark) und besonders bei 1/1400 s ist deutlich zu erkennen, dass die Bewegungsunschärfe abnimmt bzw. bei letzterer so gut wie nicht mehr vorhanden ist und der Wasserstrahl nicht mehr durchgehend wirkt. Aus diesem Grund sollte die Belichtungszeit (im Gegensatz zum Fotomodus) im Videobetrieb nicht zur Korrektur der Belichtung verwendet werden, sondern auf einen festen Wert eingestellt sein. Eine optimale Höhe des Wertes ergibt sich aus der sogenannten 180° Regel. Diese ist nicht mit der 180° Regel zu verwechseln, welche die Kameraposition für Handlungsszenen (Vermeidung Achsensprung) vorgibt.

Bei analogen Filmkameras existiert zur Regelung der Belichtungszeit eine runde Blende, welche sich vor dem Filmnegativ befindet. Die Blende ist zur einen Hälfte durchsichtig und zur anderen undurchsichtig. Dies entspricht jeweils 180°. Bei der Aufnahme rotiert diese Blende 24-mal pro Sekunde (bei 24 B/s). Eine Umdrehung dauert dann 1/24 s und das Negativ wird mit 1/48 s belichtet. Während der Dunkelphasen wird das Negativ ein Bild weitergeschoben und bei durchsichtiger Blende belichtet. Die nachfolgende Abbildung zeigt das Funktionsprinzip. Durch die 180°  Regel wird also immer nur die Hälfte einer Aufnahme belichtet. Bei einer Aufnahme mit z. B. 25 B/s und einer Belichtung von 1/50 s werden demnach nur Zwischenbilder aufgezeichnet, welche vom Gehirn wieder zusammengesetzt und als normal wahrgenommen werden. Es lässt sich also festhalten, dass die Belichtungszeit (bzw. der Nenner) doppelt so hoch sein sollte wie die Bildfrequenz. Bei einer Zeitlupenaufnahme mit 50 B/s wären es somit 1/100 s. Da es bei DSLR’s nicht immer möglich ist, genau die Belichtungszeit festzulegen, kann ein Wert genommen werden, welcher nah bei der optimalen Belichtungszeit liegt. Wenn mit 24 B/s aufgezeichnet werden soll und nur 1/50 s zur Verfügung steht, kann dies anstelle von 1/48 s verwendet werden. Bei nur geringen Abweichungen ist eine Veränderung der Bewegungsunschärfe kaum wahrnehmbar, sodass hier auch eine leichte Beeinflussung der Belichtung mithilfe der Belichtungszeit durchgeführt werden kann (siehe Abbildung oben – 1/33 s und 1/50 s). Dies sollte allerdings bewusst geschehen und je nach Anwendungsfall überprüft werden. [1]

180_grad_regelFunktionsweise 180° Regel bei Filmkamera

Bildeinstellungen: Schärfe, Kontrast und Sättigung

DSLR’s verfügen über unterschiedliche vorgegebene Bildprofile. Diese Profile regeln die Schärfe, den Kontrast, die Sättigung und ggf. weitere Parameter. Die voreingestellten Werte lassen das Video auf den ersten Blick ansehnlich wirken, doch bei der farblichen Nachbearbeitung können Probleme auftreten. Kontrast und Sättigung sind i. d. R. bereits so stark eingestellt, dass eine Senkung oder Erhöhung in der Postproduktion nicht mehr möglich ist. Auch die Schärfe, bei der es sich um eine softwareseitige Nachschärfung handelt, ist so hoch, dass auch Bildstörungen (z. B. Rauschen) nachgeschärft werden und somit stärker zu erkennen sind. Diese Probleme werden durch den verwendeten Codec (H.264) verursacht. Dieser behandelt z. B. dunklere Bereiche durch Kontrastanhebung als eine farbliche Fläche, um die Datenraten senken zu können (Redundanzreduktion). Die eigentlich vorhandenen Farb- / Grauabstufungen und die damit noch sichtbaren Details in diesem Bereich sind somit verloren und können in der Nachbearbeitung nicht wiederhergestellt werden. Es empfiehlt sich also Kontrast und Sättigung auf die niedrigsten möglichen Werte einzustellen. Das Bild wirkt dadurch zunächst sehr flach, aber durch die Farbkorrektur in der Postproduktion kann dies wieder kompensiert werden. Auch die Schärfeeinstellung sollte auf den niedrigsten Wert gesetzt werden. Wenn später zusätzliche Schärfe benötigt wird, kann diese ebenfalls in der Postproduktion hinzugefügt werden. Die Verringerung der Schärfe hat den zusätzlichen positiven Effekt, dass Aliasing und Moiré Effekte reduziert werden. Durch die Anpassung der Bildprofile ist somit grundsätzlich eine leichte Erhöhung des Dynamikumfanges möglich, da mehr Details in dunkleren und helleren Bildteilen eingefangen werden können. Hiermit werben auch verschiedene Anbieter, welche angepasste Bildprofile für den Filmbereich zur Verfügung stellen. Bei Canon Kameras lassen sich weitere umfangreichere Anpassungen mithilfe von Software am Rechner durchführen. Diese erstellten Profile können dann auf die Kamera geladen und verwendet werden. Zusätzlich zu den kamerainternen Parametern lassen sich damit noch Einstellungen an der Gammakurve durchführen und verschiedene Farbeinstellungen anpassen. Ein weit verbreitetes ist das kostenlose Cinestyle Profil von der Firma Technicolor. Neben dem eigentlichen Profil stellt Technicolor auch noch eine Lookup-Tabelle (LUT) bereit, mit welcher die Farbinformationen in der Postproduktion schnell  wiederhergestellt werden können.

Die nachfolgende Abbildung zeigt den Vergleich von drei verschiedenen Bildprofilen. Links ist das Technicolor Cinestyle Profil. In der Mitte befindet sich das (angeblich) neutrale Profil der Canon 600D. Hier kann man die starke Kontrastanhebung und den daraus resultierenden Detailverlust im Schattenbereich erkennen. Rechts ist das Standardprofil der 600D zu sehen. Bei diesem Profil fällt besonders die starke Schärfung des Bildes negativ auf.

cinestyleVergleich der Bildprofile

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Einzelnachweise:

  1. Quelle: Bilder bewegen: Filmen mit digitalen Spiegelreflexkameras (Alexander Altmann), ISBN 978-3-8266-9059-4. []

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